Ein Zitat von Franz Kafka

Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst, was weißt Du von den Schmerzen, die in mir sind und was weiß ich von den Deinen. Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde und weinen und erzählen, was wüsstest Du von mir mehr als von der Hölle, wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich. Schon darum sollten wir Menschen voreinander so ehrfürchtig, so nachdenklich, so liebend stehn wie vor dem Eingang zur Hölle.

…wo er recht hat, hat er recht!

Kafka und eine namenlose Katze

 

Franz Kafka hat Katzen, wie er in einem Brief an Felix Weltsch vom 15. November 1917 selbst gestand, »im Geheimen seit je her gehaßt«. Als er sich im September dieses Jahres bei seiner Schwester zu einem Erholungsurlaub in dem böhmischen Dorf Zürau einfand, wurde er in seinem Zimmer von Mäusen allerdings so sehr geplagt, daß er sich gezwungen sah, die Katze des Hauses mit aufs Zimmer zu nehmen, die ihm dann tatsächlich Ruhe verschaffte. Er konnte es zwar nicht ausstehen, wenn ihm die Katze beim Schreiben auf den Schoß sprang, mußte aber in einem Brief an Max Brod zugeben, sie wäre »ein äußerst gutes kindliches Tier«. Die Katze, deren Namen er nicht nennt, war anfangs nicht stubenrein. Kafka beschrieb ausführlich die Kalamität, die sich daraus für ihn entwickelte: »Wie macht sie es also? Sie wählt einen Ort, der dunkel ist, der mir ferner ihre Anhänglichkeit beweist. Von der Menschenseite aus gesehn ist dieser Ort zufällig das Innere meines Pantoffels.« Darüber tröstete Kafka sich mit folgender Einsicht hinweg: »Katzen vertreiben die Mäuse schon durch die bloße Anwesenheit, vielleicht sogar schon durch die bloßen Ablagerungen, weshalb auch diese nicht ganz zu verachten sind.« Langsam gewöhnte sich Kafka an die Katze, er trug sie sogar »immer abends über den Ringplatz ›warm im Arm‹ nachhause«. Anfang Dezember berichtete er seinem Freund Max Brod stolz und glücklich von den Ergebnissen seiner erzieherischen Bemühungen in hygienischer Hinsicht: »Wunderbar, wenn man mit einem Tier einig geworden ist. Wie ein gut erzogenes Kind geht es am Abend nachdem es Milch bekommen hat, zur Schachtel, steigt hinein, buckelt sich, weil die Schachtel zu klein ist, und tut, was es muß.« Und einem anderen Freund schrieb er, daß er »meiner kleinen schlafenden Katze Ihr Gedicht deklamiert« habe. So hatte sich der Katzenhasser Kafka langsam an die Katze gewöhnt und sie wohl auch liebgewonnen, als er Zürau im Frühjahr 1918 wieder verließ. Vielleicht hat Kafka diese namenlose Katze im Sinn gehabt, als er zwei Jahre später seinen einzigen literarischen Text über eine Katze geschrieben hat, die Kleine Fabel!

Hiermit widme ich meinen ersten Beitrag: Franz Kafka!

Die Kleine Fabel, von Franz Kafka, aus dem Jahre 1920

 

„Ach“, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, daß ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, daß ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell aufeinander zu, daß ich schon im letzten Zimmer bin, und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.“ – „Du mußt nur die Laufrichtung ändern“, sagte die Katze und fraß sie.

Ich habe Franz Kafka in meiner eigenen Interpretation gezeichnet, und unter anderem diese „Geschichte“ mit einfliessen lassen!